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Der Malort

Als jemand, der Menschen auf ihrem Weg begleitet, ist es mir ein Herzensanliegen, Menschen auf heilsame und stärkende Orte aufmerksam zu machen. Orte, die uns wieder in Kontakt mit uns selbst bringen – jenseits von Leistung, Bewertung und „richtig oder falsch“. Ein solcher Ort ist für mich seit einigen Jahren der Malort Wien in der Grundsteingasse.

Der Malort ist ein Raum, in dem altersgemischte Gruppen von 3 bis 99 (oder älter) nebeneinander malen.

Dabei geht es nicht darum, Kunstwerke zu erschaffen, sondern darum, in das Malspiel einzutauchen.

Malspiel bedeutet, wieder zur eigenen Malspur zurückzufinden.

Durch viele Vorgaben, Vergleiche oder den Wunsch, Bildern einen Sinn zu geben, geht diese eigene Spur leicht verloren.

So glauben viele Menschen irgendwann, sie könnten nicht zeichnen – weil sie zu oft bewertet wurden und begonnen haben, sich selbst zu bewerten.

Im Malort wird das Gemalte daher bewusst von Sinn, Kunst und Bewertung freigehalten und geschützt.

Dieser Schutz entsteht durch klare Regeln.

Eine der wichtigsten:

Es wird nicht über das Gemalte gesprochen.

Das heißt nicht, dass es dort still sein muss – Gespräche entstehen ganz selbstverständlich.

Was den Malort in der Grundsteingasse besonders auszeichnet, ist, dass er original nach Arno Stern, dem Begründer des Malorts, umgesetzt wird.

Ein wesentliches Qualitätsmerkmal ist für mich auch, dass die Bilder im Malort bleiben.

Sie werden nicht mitgenommen, sondern dort aufbewahrt.

Anfangs tauchen oft Fragen auf wie:

Warum male ich, wenn ich das Bild danach nicht mitnehmen oder herzeigen kann?

Das ist für manche zunächst ungewohnt und zugleich ein zentraler Bestandteil des Malspiels.

Nur so kann das Malen wirklich von Leistung entkoppelt werden.

Für mich liegt darin noch etwas Befreiendes. Ich brauche mich um mein Gemaltes nicht kümmern und muss daheim keinen Platz finden.

Manche der Bilder, die dort entstanden sind, sehe ich noch heute vor meinem inneren Auge, andere habe ich längst vergessen.

Es fühlt sich für mich ein wenig an wie Träumen.

Und wenn ich das Bedürfnis habe, meine Bilder anzusehen, kann ich das jederzeit tun – sie werden dort aufbewahrt, nur für mich.

Der Malort ist für mich ein wichtiger fixer Termin in der Woche.

Ein geschützter Ort, zu dem ich zurückkehren kann.

Meine Malfläche hängt beim Ankommen bereits bereit, und nicht selten ist da dieses tiefe Aufatmen:

Endlich Zeit ganz für mich. Endlich meiner eigenen Spur folgen.


 
 
 

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