Die Befreiung nach der Befreiung
- Melanie Hetterich

- 31. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Nachdem ich viele alte Muster, in denen ich gefangen war, verabschiedet habe, konnte ich mich endlich mehr dem zuwenden, was sich für mich wertvoll und wichtig anfühlt.
Ich habe viel Zeit damit verbracht, mich zu hegen und zu pflegen.
Zu zeichnen. Jeden zweiten Tag ins Fitnesstraining zu gehen. Neue Routinen zu finden, die mich stärken.
Musik und Bewegung haben dabei eine große Rolle gespielt.
Reflektieren, nachspüren, was gerade da ist, aufschreiben, teilen, was mir wichtig ist.
Auch mein nahes Umfeld, meine Familie und ein gemütliches Zuhause sind mir sehr wichtig.
Gestern habe ich mich wieder einmal ertappt.
Da war er….. der alte Antreiber.
Als hätte er heimlich eine Liste geschrieben mit all den Dingen, die ich tun müsste, um auf meinem Weg zu bleiben.
Ich habe ihn wahrgenommen und war gleich ein wenig grantig.
Da befreie ich mich vom „Müssen“ – und dann taucht der plötzlich wieder auf. Der altbekannte.
Dabei war mir so vieles wirklich wichtig an diesem Tag:
meine Zeichnung zu machen, Kerzen für die Kirche abzugeben, meine Jüngste zu einem Kindergeburtstag zu begleiten, in die Messe zu gehen, die Wohnung umzugestalten und zum Training zu gehen.
Das ist mir doch alles wichtig!
Ich war eindeutig verstimmt.
Und spät dran waren wir auch noch.
Also habe ich beschlossen, uns ein Taxi zu gönnen.
Der erste Zeitdruck war damit sofort gestoppt.
Im Taxi habe ich eine halbe Stunde gewonnen. Zeit, um wieder ruhig zu werden.
Ich habe durchgeatmet.
Meine Kleine deutet mir plötzlich still zu: Der Fahrer ist nicht angeschnallt.
Ich zucke nur mit den Schultern – nach dem Motto: Das geht mich nichts an.
Nach ein paar Minuten Stille fragt sie ihn direkt:
„Warum sind Sie nicht angeschnallt?“
Der Taxifahrer geht auf sie ein und gibt ihr recht wegen der Sicherheitubd schnallt sich an.
Sie ist zufrieden.
Ich lächle sie an und streichle ihre Wange.
Ich bin wieder ganz da.
Der Antreiber hat sich in Luft aufgelöst.
Ich freue mich über diesen Moment.
Mir wird klar:
Meine Routinen und Ressourcen dienen mir – nicht umgekehrt.
Der einfachste Indikator ist die Qualität, mit der ich gerade hier bin.
Ein Weniger wird dann ganz schnell zu einem Mehr.
Wenn ich liebevoll mit mir selbst und meinem Nächsten bin.
Ich bin frei, wenn ich nach innen lausche und wahrnehme, was gerade da ist.
Der Antreiber meinte es eigentlich gut mit mir.
Also sage ich: „Danke.“
Ich verstehe, dass du darauf achten möchtest, dass sich alles ausgeht.
Ich kenne auch deine Sorge, dass ich wieder untergehen könnte.
Doch das ist nicht so.
Denn ich bin jetzt in Beziehung mit mir
und ich setze meine Prioritäten jeden Tag neu.
Schlussendlich hatte ich auf der Party sehr schöne Gespräche.
Zwischendurch habe ich mich zurückgezogen, frische Luft geatmet und die Sonne genossen.
Wir sind nicht bis zum Schluss geblieben.
Ich konnte in die Jugendmesse gehen, die Friedenskerzen entzünden und weiterreichen
und dabei einen tiefen Frieden in mir spüren.
Danach hatte ich tatsächlich noch die Kraft, zu Hause einiges umzugestalten.
Das Training habe ich sausen lassen.
Es ist mir wichtig!
Aber ich werde nicht sein Sklave.
Ich darf mich einfach auf einen neuen Tag mit Training freuen.
Und vielleicht erkennst du beim Lesen einen Anteil in dir wieder und begegnest ihm heute ein wenig freundlicher.




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