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Manchmal sind es Kinder in Königsgewändern, die uns daran erinnern, worum es im Leben wirklich geht.


Zwei Tage lang hatte ich die große Ehre, vier Kinder beim Sternsingen zu begleiten.

Ich bin mit diesem Brauch nicht direkt aufgewachsen und wusste daher nur wenig darüber.

Vielleicht geht es dir da so wie mir

und genau deshalb möchte ich ein bisschen davon erzählen.

Ähnlich wie bei Halloween ziehen die Kinder von Haus zu Haus und bekommen viele Süßigkeiten. Das wusste ich zum Beispiel nicht.

Der große Unterschied zu Halloween jedoch ist eine unbeschreibliche Freude, die uns von Tür zu Tür begleitet hat.

Die Kinder hatten sich in ihre Königsgewänder gekleidet, ein Lied und Texte auswendig gelernt und sind mit dem Wissen losgezogen, Menschen zu besuchen, die auf sie warten

und gleichzeitig Gutes zu tun, indem sie Geld für Menschen sammeln, denen es nicht so gut geht wie uns.

Wir bekamen eine Route mit vielen Häusern zugeteilt.

Jedes Haus hatte seinen ganz eigenen Charakter: Manche waren wunderschön, hell und freundlich, andere wirkten düster und unheimlich.

In meiner Gruppe kostete es manchmal ein wenig Überwindung.

Wir haben darüber gesprochen, dass es gerade in diesen Häusern besonders wichtig ist, dass wir kommen.

Dass wir nicht auf das Erscheinungsbild des Stiegenhauses achten, sondern für die Menschen da sind, die darin leben.

Und tatsächlich wurden wir belohnt:

Wir erkannten, dass wir vielleicht unterschiedlich wohnen, aber das nichts über die Bewohner aussagt.

Manch noch so schöne Tür blieb verschlossen – und eine unscheinbare ging auf und überraschte uns.

Es gab Menschen, die sehnsüchtig auf uns gewartet hatten, Getränke bereitgestellt oder ein Kuvert mit der Aufschrift „Für die Sternsinger“ an die Tür hängen wollten. Umso größer war dann die Freude, uns doch persönlich anzutreffen.

Wir kamen auch mit Menschen aus anderen Kulturen in Kontakt.

Dabei erlebten wir ganz Unterschiedliches:

Manche zogen klar eine Grenze und sagten, das sei nicht ihre Religion. Andere waren neugierig und wollten wissen, worum es geht. Wieder andere erzählten uns von ihrer eigenen Religion und ihren Festen… mit der Rückmeldung, wie schön sie es finden, dass Kinder etwas Gutes tun.

Zwischendurch wurden wir von einer Familie aus der Pfarre zum Essen eingeladen.

Es war ein wahrlich königliches Mahl, mit ganz viel Liebe zubereitet und an einem wunderschön gedeckten Tisch serviert.

Danach ging es weiter in ein Altersheim.

Kein leichter Besuch. Plötzlich hatten wir ein größeres Publikum, und auch hier nahmen die Kinder viel wahr. Sie wurden mit Gebrechlichkeit konfrontiert.

Eines der Kinder wollte kein Geld annehmen. Es meinte, es fühle sich nicht richtig an. Der Segen solle einfach so gegeben werden.

Es empfand Mitleid und hielt den Schmerz kaum aus.

Wir haben darüber gesprochen, dass diese Menschen nicht arm sind, sondern einfach alt.

Und dass es gerade hier wichtig ist, das Geld anzunehmen, weil auch sie etwas beitragen wollen und es ihnen hilft, sich wertvoll zu fühlen.

Dass sie, auch wenn sie nicht mehr alles so gut können, noch immer wichtig sind.

Das Kind verstand das sofort und freute sich schon aufs nächste Jahr, in der Hoffnung, das Altersheim wieder besuchen zu dürfen.

Wie man sieht: ein riesiges Lernfeld.

Nach unzähligen Treppen, die wir gemeinsam auf- und abgestiegen sind, habe ich Muskelkater – und bewundere die körperliche Leistung der Kinder umso mehr.

Ich bin dankbar für alle, die mitgewirkt haben, und dafür, ein Teil davon gewesen zu sein.

Leider konnten wir nicht alle Wohnungen besuchen, da es sich zeitlich nicht mehr ausging.

Ein kleiner Tipp noch:

Falls ihr die Sternsinger im nächsten Jahr auf keinen Fall verpassen wollt, könnt ihr sie zu euch bestellen.

Und falls ihr selbst mitmachen möchtet, meldet euch einfach in der nächstgelegenen Pfarre.

PS: Falls noch jemand etwas Spenden möchte:

AT41 6000 0000 9207 8215

 
 
 

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