Vom Bravsein, Berufung, Corona und freier Meinung
- Melanie Hetterich

- 31. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

Der Wunsch, andere Menschen zu unterstützen und für sie da zu sein, war schon immer in mir angelegt.
Zuerst habe ich mich den Kleinsten zugewandt und als Montessori-Pädagogin gearbeitet. Hier war ich in meinem gewohnten Element und auch in meiner Komfortzone.
Es ist für mich nichts Besonderes, das Licht dieser Kinder zu erkennen und ihre Würde zu bewahren. Das konnte ich einfach von Natur aus und war keine Errungenschaft für mich.
Mit 25 sah das schon ganz anders aus. Ich wollte nicht mehr „nur“ für die Kleinen da sein, sondern auch für Menschen, die gerade Schweres durchleben.
Ich wollte mein Wirkungsfeld erweitern und auch für die inneren Kinder da sein.
Im Prinzip werden wir nur älter und sammeln von Jahr zu Jahr mehr Erfahrung.
Ich wusste daher von mir, dass ich in allen Menschen dieses Licht erkennen kann und mir ihre Würde wichtig ist.
Trotzdem hat es mit dem Selbstständigsein nicht geklappt – trotz zahlreicher Ausbildungen und Kompetenzen, die ich geschenkt bekommen habe.
Es lag nicht daran, dass ich vier Kinder habe und begonnen habe, sie ohne Schule zu begleiten.
Es lag daran, dass ich mich vor der Sichtbarkeit gefürchtet habe.
Ich hatte Angst vor Ecken und Kanten.
Ich hatte Angst, verurteilt zu werden.
Denn ich wusste: Egal wie ich mich positioniere, es wird immer jemanden geben, der meine Meinung nicht teilt oder sich möglicherweise sogar angegriffen fühlt.
Hier möchte ich mein größtes Vorbild nennen: meinen Bruder Robert.
Er ist der geradeste Mensch, den ich kenne. Nicht immer leicht zu ertragen, aber ehrlich.
Es ist ihm egal, was andere über ihn denken. Er macht das, was er für richtig hält, und folgt dem, ohne mit der Wimper zu zucken. Ob es eine Freundschaft oder einen Ausschluss bedeutet, ist für ihn kein Hindernis. Er bleibt sich treu und hat eine Stärke, die spürbar ist.
Vor Jahren, als ich mich zur Lebens- und Sozialberaterin ausbilden ließ, habe ich mir in einer Übung diese Aufrichtigkeit von ihm geborgt und die Ressource „Melbert“ kreiert – eine Mischung aus meinen Kompetenzen und seinem Mut.
Auch jetzt, wenn ich etwas schreibe, ist mir völlig bewusst, dass es nicht jedem gefällt.
Dass es auch Menschen gibt, die damit nichts anfangen können.
Aber es wird auch Menschen geben, die sich von dem, was ich teile, angesprochen fühlen und vielleicht den Weg zu mir finden – in eine Beratung oder zu einem meiner Workshops oder Seminare, die ich in Zukunft anbieten werde.
Besonders während der Corona-Pandemie wurde offensichtlich, dass unterschiedliche Meinungen zu Brüchen führen können.
Dass Menschen sich gegenseitig beschuldigen, ihren Job verlieren oder verlächerlicht werden.
Als Harmoniesüchtige, die ständig Verbindung halten will, war das der blanke Horror.
Umso mehr möchte ich alle Menschen würdigen, die es geschafft haben, ihre persönliche Meinung frei zu äußern, und noch mehr denen danken, die es zusätzlich geschafft haben, die Verbindung zu halten.
Und ja, es gibt viele Themen, und es werden auch immer wieder neue kommen.
Ich kann nur sagen: Ich wünsche mir, dass wir uns selbst treu bleiben können, damit wir spüren, was sich für uns richtig und falsch anfühlt, und nicht mehr zum Spielball einer Außenwelt werden, die so trügerisch ist.
Das mögliche Heilmittel wäre vielleicht, sich selbst zu erkennen und auch das Licht des Gegenübers.
Bei all den Täuschungen bleibt nämlich nur unser Herz wegweisend.
Und das Herz würde niemals sich selbst oder anderen Schaden zufügen oder gar einen Krieg befürworten.
Also lasst uns gemeinsam das Herz stärken, damit es uns und unseren Nachkommen besser geht.



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