Vom Lernen, ohne belehrt zu werden
- Melanie Hetterich

- 31. Jan.
- 1 Min. Lesezeit
Und manchmal sind wir Lehrer, ohne es zu wissen.
Unsere Wirkung ist oft größer, als wir denken.
Ich denke heute an meinen Onkel Hans.
Wir hatten am selben Tag Geburtstag. Er rauchte Pfeife, spielte gern Karten und an seinem Daumen fehlte der Fingernagel.
Er war Bauer und Handwerker und hat Haselnusskörbe geflochten, die sogenannten Tuderkörberl. Er hat mir das nie beigebracht.
Und doch kenne ich bis heute ungefähr den Ablauf, wie so ein Korb entsteht.
Nicht, weil er erklärt hätte. Sondern weil ich als Kind einfach da war. Ich habe zugesehen. Immer wieder. Stück für Stück.
Haselnussstecken schneiden. Schälen. Spalten. Holz im Kochtopf. Flechten.
Kein Unterricht. Kein „Jetzt pass auf“.
Kein Wissen vermitteln wollen. Und trotzdem ist etwas geblieben. Ich glaube, er wusste nicht einmal, dass ich so genau hinschaute.
Mich interessierten die Holzspäne am Boden und die Katzenbabys in der Werkstatt das Tun an sich.
Heute besitze ich noch zwei seiner Tuderkörberl.
Ich bin mir sicher, in seinem Heimatort gibt es noch viele davon.
Sie sind viele Jahre alt und sie halten noch immer.
Als Mutter, die ihre Kinder ohne Schule begleitet, erkenne ich in solchen Momenten, wie stark unsichtbares Lernen ist.
Wie Kinder Fähigkeiten aufnehmen, ohne dass es belehrend passiert.
Wie Neugier und Beobachtung tiefer wirken als jede Erklärung.
Hast du auch solche Vorbilder aus deiner Kindheit, von denen du gelernt hast, ohne dass sie es wussten?







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