Von Nähe, Milch und Mut
- Melanie Hetterich

- 31. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Nach meinem letzten Text über windelfrei möchte ich nun über das Stillen schreiben. Als ich mein erstes Kind erwartet habe, war ich fasziniert von meinem Körper und von dem kleinen Wesen, das von Woche zu Woche rasant größer wurde. Damals gab es noch kein Internet, wo man schnell nachlesen konnte, was sich gerade tut. Ich hatte ein Buch und eine Zeitschrift, mit denen ich mich begnügte. Vieles wollte ich genauso machen wie Mama. Anderes malte ich mir bunt aus, wie schön alles sein würde. Ich war damals 18 und es war mein sehnlichster Wunsch, Mutter zu sein. Ich war noch Schülerin und hatte eine wunderbare Turnlehrerin. Im Gegensatz zu manch anderen Lehrern, die mich schief ansahen, drückte sie mir ein ganzes Buch zum Thema Stillen in die Hand. Leider weiß ich den Titel nicht mehr. Es war dieses Buch, das mir aufgezeigt hat, dass ich in die Tiefe gehen möchte und dass ich doch einiges anders machen wollte als meine Mama. Heute gibt es ausreichend Literatur dazu. Ich empfehle dir, dich mit dem Thema auseinanderzusetzen. In den 80er Jahren hat das Stillen an Stellenwert verloren. Finde einen passenden Titel Mütter erhielten Werbung für Folgemilch, die gesund und praktisch war. Stillberatung und Anlaufstellen bei Schwierigkeiten gab es kaum. Mama konnte bei diesem Thema keine Erfahrung mit mir teilen, da sie nur eine Woche lang gestillt hat. Als es dann so weit war und meine Kleine das Licht der Welt erblickte, war der Ansturm der Besucher groß. Alle wollten das neue Leben begrüßen. Ich freute mich, und gleichzeitig war alles neu. Die Brüste schmerzten, das richtige Anlegen brauchte Übung, und das Entblößen der Brust vor anderen bereitete mir Unbehagen. Bei den Geschwistern, die nach und nach auf die Welt kamen, habe ich mir aus dieser Erfahrung mitgenommen, nicht sofort allen von dem freudigen Ereignis zu berichten. Ich habe nach und nach gelernt, mir immer mehr Raum zu nehmen. Mit jedem Kind dehnte sich die Stillzeit aus. Stillen war für mich Nähe und Geborgenheit. Pause machen, zur Ruhe kommen und mich verbunden fühlen. Manchmal auch Trost und Sicherheit geben. Ich habe schließlich richtig lange gestillt. Ich weiß, für manche sah das komisch aus, weil Stillen noch immer nicht ganz den Platz bekommen hat, den es gebührt. Was ich dir gerne mitgeben möchte: Schau gut auf dich und nimm dir bewusst Raum. Stillen, Ankommen und Kennenlernen dürfen Zeit brauchen. Gäste können warten. Helfer sind willkommen. Und auch wie lange du stillen möchtest, ist allein deine Entscheidung. Höre auf dein Gefühl und lasse dich nicht beirren. Es ist eine individuelle Entscheidung!




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