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Warum "brav sein wollen" seinen Preis hat und wie sich das auf Partnerschaft und Eltern sein auswirken kann.


Ich war früher ein sehr lebhaftes, lebendiges Kind.

Später wurde daraus ein braves, angepasstes Mädchen.

Ich erinnere mich noch gut daran,

wie oft zu meinen Eltern gesagt wurde:

„Wir hätten nicht gedacht, dass sie einmal so brav sein würde.“

Und auf dieser Bravheitsschiene bin ich lange geblieben.

Denn das Kind in mir wollte gut sein.

Es wollte gesehen werden.

Konfliktscheu und angepasst versuchte ich, Harmonie zu halten und vieles auszugleichen.

Dabei verschoben sich meine Grenzen immer mehr.

Es gab keine klaren Jas und Neins mehr.

Das Ergebnis:

Ich habe jahrelang zu viel getragen.

Dieses ständige Tragen und Ausgleichen hatte Folgen.

Auch für meine Ehe.

Ich verlangte oft unbewusst auch von meinem Mann, meinem Harmoniebedürfnis zu folgen.

Eine schwere Folge davon war, dass er als Mann und Vater geschwächt wirkte und seine eigene innere Klarheit kaum leben konnte.

Und wenn diese Klarheit doch einmal zum Vorschein kam, war ich die Gute und er der Böse.

Ein Szenario, das sich leider über viele Jahre fortgesetzt hat.

Ich bin mir sicher:

Viele Partnerschaften wären daran zerbrochen.

Wir sind mehrmals an einen Punkt gekommen, an dem es so nicht mehr weiterging.

Es gab symbolische Schlussstriche und doch ging es weiter.

Nicht aus Gewohnheit, sondern weil die Liebe so groß war, dass nach jedem Aus eine neue Entwicklung begann.

Ich spreche von 27 Jahren Partnerschaft mit kaum gelebter rosa Brille und früher Elternschaft.

Auch von außen gab es viele Meinungen über uns.

Die passen nicht zusammen.

Die sind zu unterschiedlich.

Das kann nicht gut gehen.

Was niemand von außen sehen konnte, war die ehrliche, große Liebe, die uns immer verbunden hat.

Und das gegenseitige Wertschätzen.

Diese Liebe war und ist unsere Basis.

Sie hat alles zusammengehalten und jede Krise überstehen lassen.

Darauf bin ich heute richtig stolz.

Im Rückblick sehe ich, wie stark mein Mann all die Jahre war.

Er hat seinen Posten nie verlassen.

Er hat sich aus Liebe klein gemacht.

Gemeinerweise wurde er oft als fünftes Kind bezeichnet oder als schwach gesehen.

Das hier zu schreiben ist auch ein Wiedergutmachen.

Und ein Richtigstellen.

In Wahrheit war er viel stärker als ich.

Denn trotz all der Erniedrigungen hat er weitergemacht, zu mir gestanden und niemals ein schlechtes Wort über mich verloren.

Er stand immer hinter mir.

Er hat mich unterstützt.

Und manchmal, wenn es ihm erlaubt war, durfte er mich auch schützen.

Dann kam seine Kraft und seine Klarheit zum Vorschein.

Unsere Kinder kennen diese Kraft.

Sie wissen:

Papa steht hinter uns.

Papa steht für uns ein.

Papa bietet Schutz und geht durchs Feuer.

Die Vergangenheit lässt sich nicht verändern.

Aber wir wissen heute vieles besser.

Für eine gesunde Elternschaft ist es nie zu spät.

Und auch hier gibt es tröstliche Gedanken:

Kinder dürfen erleben, dass Eltern Menschen sind und keine Götter.

Dass Fehler erlaubt sind.

Dass Schwierigkeiten stark machen können.

Kinder lernen aus Beobachtung und Erfahrung.

Sie können es anders machen.

Oder Kräfte entwickeln, die sie ohne diese Mängel niemals entdeckt hätten.

Wir alle lernen aus Licht und aus Schatten.

Vielleicht fragst du dich, warum ich das so offen schreibe.

Ich möchte echt sein.

Mich annehmen mit all meinen Stärken und Schwächen.

Ich möchte richtigstellen.

Und vor allem möchte ich Menschen Trost und Hoffnung schenken,

die Ähnliches erleben.

 
 
 

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